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kuratiert von Judith Freund und Kathi Senn

DIFFERENT THINGS HAPPEN / PATHOLOGICAL HOARDING

Cosima von Bonin
Cäcilia Brown
Charlotte Dualé
Irina Gavrich 
Martin Grandits 
Flora Hauser 
Yngve Holen 
Andy Hope 1930
Martin Kippenberger
Kurt Kocherscheidt 
Philipp König 
Albert Mayr 
Thea Moeller
Panos Papadopoulos  
Raymond Pettibon 
Jason Rhoades 
Christian Rosa  
Alexander Ruthner 
Max Schaffer 
Lennart Schweder  
Elfie Semotan 
Hans Weigand 
Wermke/Leinkauf
Michel Würthle

Ausstellungsdauer 08.07.2015 - 05.09.2015

 

"Eine jede Idee tritt als ein fremder Gast in Erscheinung, und wie sie sich zu realisieren beginnt, ist sie kaum von Phantasie und Phantasterei zu unterscheiden.“ Aby Warburg zitierte diese Maxime gelegentlich. Er hatte seine Gründe, an die Fremdheit des Denkens zu erinnern und die Regeln der Gastfreundschaft auszuweiten. Wir beginnen jedoch mit Warburg, weil er auch ein Meister der "Hängung“ war, des Arrangierens von Konstellationen und Korrespondenzen im Bereich der Bilder, der Konstruktion "guter Nachbarschaften“, unberechenbarer Kontraste und verblüffender Abgründe, und dies alles, um unser Wissen über das Leben der Bilder zu vertiefen. Daher nehmen wir seine "Idee“ oder "Phantasterei“ als Begrüßungswort für unser Vorhaben: DIFFERENT THINGS HAPPEN / PATHOLOGICAL HOARDING will das Eintreten der "Idee“ allerdings von der anderen Seite provozieren. Die Ausstellung präsentiert sich als eine "private Sammlung“ am falschen Platz und offeriert dem eintretenden Gast die Möglichkeit, sich fremd zu fühlen. Dass er dieses Angebot zur Grundlage einer Idee machen wird, können wir nur hoffen, aber im Voraus nicht festlegen. Räume anschauen, Wände vorbereiten, eine Ausstellung aufbauen, Bilder hängen – die Diskussion all der Fragen, die sich im Vorfeld einer Eröffnung stellen, wird heute sogar schon für Studiengänge und Masterpläne verwertet ... was die Schwierigkeiten sicherlich nur vermehrt, die unnötigen vor allem, und dass obwohl die Probleme in diesem Bereich schon zahlreich genug sind. Kaum zeigt sich das Wichtige einer Situation, wird es von Wichtigtuerei verstellt, kaum geht es um virulente Details, blühen Empfindlichkeiten in allen Farben, und wer ein neues Feld freier Bewegung entdeckt hat, wird bald auch den Experten seiner Kontrolle kennenlernen. Es gibt Leute, die am Aufstellen eines trockenen Strauss’ Blumen zerbrochen sein sollen, und andere, die sich im hellen Ton einer Wand verirren. Für manche, ist der "Weiße Kasten“ die einzige Möglichkeit, für die nächsten das größte Übel oder noch schlimmeres. Und dennoch sind im Moment der Eröffnung die Trümmer der Aufbauschlacht ebenso unsichtbar wie der Dreck des "Ateliers“ oder der des "Geschäfts“. DIFFERENT THINGS HAPPEN / PATHOLOGICAL HOARDING präsentiert einen Hybrid, der sich auf die Grenze zwischen privat und öffentlich entwickelt hat, in der Lücke zwischen gutem und schlechtem Geschmack, dort wo wir Franz West und Otto Kobalek zeigen: beim Hängen einer Ausstellung, der eine schweigsam, streng und Laie auf dem Sektor, der andere im höflichen Umgangston einer Erklärbarkeit, die es für diese Dinge gar nicht gibt. Außerdem werden wir in dem Grenzgebiet, in dem wir unsere Ausstellung anlegen, den Unterschied zwischen Anerkanntem und Unbekanntem verwischen. Denn allzu oft sind Wahrung und Wahrnehmung des Anerkannten ein Schutz vor den Lücken in den eigenen “Ideen”, zum Nachteil des Neuen und der Gegenwart, doch dort bewegen wir uns. Raymond Pettibon, Elfie Semotan oder Cosima von Bonin ... diese Namen würden informierte Konsumenten von Kunst mittlerweile wohl als gesetzte Größen und wertbeständiges Investment verbuchen, zur Justierung ihrer “Wasserwaage”. Uns garantieren sie immer noch das Eintreten “fremder Gäste”, und daher sehen wir sie direkt neben den Werken von Martin Grandits, Flora Hauser oder Alexander Ruthner, um nur einige der vielen “Unbekannten” in unserer Künstlerliste zu nennen; wir kennen sie schon lange. Das Publikum mit der Vertrautheit des Unvertrauten bekannt zu machen, ist unsere Seite des Vergnügens. Wir erwarten Vergnügliches auch von der anderen.

 

"Each idea appears as a foreign guest, and as it starts to manifest itself, it can hardly be distinguished from fantasy and fantastic ideas." Aby Warburg sometimes quoted this maxim. He had his reasons to remind us of the foreignness of thinking and to expand the rules of hospitality. But we also start with Warburg, because he was a master of "the hanging", the arranging of constellations and correspondences in the field of pictures, the formation of "good neighborly relations", erratic contrasts and amazing abysses in order to deepen all this, our knowledge about the life of pictures. We, thus, take his "idea" or "fantastic idea" as greetings for our project: DIFFERENT THINGS HAPPEN / PATHOLOGICAL HOARDING aims to provoke the entering of the "idea" from a different angle, though. The exhibition presents itself as a "private collection" in the wrong place and offers the guest who enters the chance to feel foreign. We can only hope that he or she will take this offer as a basis of an idea, but we cannot assume this in advance. Exploring rooms and space, preparing walls, conceptualizing an exhibition, hanging up pictures – the discussion of all these questions, which have to be answered before an exhibition, even fills out entire degree programs or master courses…which surely only adds to the difficulties, the most irrelevant in particular, even though the problems are already manifold in this area. As soon as the important emerges in a situation, it gets blocked by pomposity, as soon as the discussion is all about viral details, pettishness appears in all its splendor, and whoever detects a new field of free movement, soon meets the expert of control. There are said to be people who have been broken over the arrangement of dried flowers, and others who lose themselves in the bright shade of a wall. For some, the "white cupboard" is the only way, while for others it poses the greatest possible evil or something even worse. And still, in the moment of the opening the ruins of the battle of construction are as invisible as is the dirt of the "studio" or the "shop". DIFFERENT THINGS HAPPEN / PATHOLOGICAL HOARDING presents a hybris which has developed along the lines between private and public, in the space between good and bad taste, the place where we show Franz West and Otto Koblek: busy with the hanging of an exhibition, one close-lipped, strict and a layman in this field, the other one deep in casual conversation, searching for an explanation that does not exist for these things. Moreover, we will mix the difference between the acknowledged and the unknown in this borderland where we place our exhibition. For more often than not, preservation and perception of the acknowledged form a protection from the gaps in our own "ideas", to the disadvantage of what is new and current, but it is there that we move about. Raymond Pettibon, Elfie Semotan, or Cosima von Bonin…informed art consumers would, most likely, consider these names to be modern icons and investments of long-lasting value. But to us, they still guarantee the entering of "foreign guests", which is why we see them directly next to the work of Martin Grandits, Flora Hauser, or Alexander Ruthner, to name just a few of the "unknown" in our list of artists; we, of course, have known them for ages. It is our side of pleasure to make the audience acquainted with the familiarity of the unfamiliar. We are also expecting some pleasure from the other side. 

 

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