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Oberhuber. Un Futuro

Oswald Oberhuber

Ausstellungsdauer 31. Mai - 27. Juli 2019

 

Winter 1944. Im Dunkel der Nacht stapft ein Junge durch den finsteren Schnee der Tiroler Alpen. Er muss hoch zum Berg in ein nationalsozialistisches Erziehungslager, um dort die Tugenden der neuen Gesellschaft zu lernen. Gezwungen, den Schutz der eigenen Familie zu verlassen, wird er nicht nur von der Härte des Winters getroffen, sondern auch von der des Systems. Fast erfriert der Junge im Berg, niemand hilft – in weiter Ferne erleuchtet ein Mann mit Laterne den Weg, dem er zu folgen hat, bis er schließlich das Lager erreicht. Im letzten Winter des Krieges ist man auf sich gestellt mit einem Regime vor Augen, das noch Befehle erteilt, während es zerfällt.

 

Nach dem Krieg entspringt bald der Wille zur Kunst aus einer Haltung, die ein Lebenswerk prägen wird: „Nie wieder lass’ ich mich in ein System pressen!“ Sei es in ein System der Politik oder in ein System der Kreation. Unter dem Titel „Permanente Veränderung“ wird konzeptuelle Anarchie später das Kredo von Oswald Oberhuber werden, der sich in seinem künstlerischen Werk dem dauernden Entlernen und Neuanfang widmet. Eine Idee folgt auf die andere, es entsteht Bild nach Bild, Objekt nach Objekt. In Formen, die diverser kaum sein könnten.

 

Die zweite Ausstellung von Oberhuber bei KOW vereint Werke aus den sieben Jahrzehnten eines Lebens, das die verschiedensten Phasen der europäischen Nachkriegsentwicklung durchlaufen hat. Wie das Werk von Oswald Oberhuber lebt Europa von seiner Pluralität und einem ausreichenden Maß an konzeptueller Anarchie und permanenter Veränderung. Die Phrasen jener, die die Gedanken, Träume und Taten anderer einzuschränken hoffen, brauchen heute offenes Paroli und auch die Stimmen derer, die eine gelebte Erinnerung wachhalten können, bevor ihre Vergangenheit nur noch als Anekdote in einem Text existiert.

 

Text: Raphael Oberhuber

 

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Winter 1944, a dark night: a boy is plodding through the murky snow covering the Tyrolean Alps. He is expected at the National Socialist education camp up on the mountain, where he will be schooled in the virtues of the new society. Torn from the shelter of his family, he is numb with cold, but the system’s inexorability is an even more devastating blow. The boy almost freezes to death on his ascent, and no one helps him—far off a man lights the way with a lantern; he must follow until, finally, he reaches the camp. In the last winter of the war, everyone is on his own, facing a regime that keeps issuing orders even as it is falling apart.

 

After the war, he will soon feel the urge to make art spring up within him, fueled by a conviction that will inform a life’s work: “I won’t be pressed into any system ever again!” Be it a system of politics or a system of creation. Under the label “Permanent Change,” conceptual anarchy will be Oswald Oberhuber’s credo, the mainspring of an oeuvre dedicated to the persistent effort to unlearn and start afresh. One idea follows another, he creates picture upon picture, object upon object. In forms that could hardly be more diverse.

 

Oberhuber’s second exhibition at KOW gathers works from the seven decades of a life in which he witnessed the twists and turns of Europe’s postwar evolution. Like Oberhuber’s art, Europe is brought to life by its plurality and a sufficient degree of conceptual anarchy and permanent change. Today, as we need to take a stand against the phrases of those who hope to shackle others’ ideas, dreams, and actions, we would do well to listen to the voices of those who can share living memories before their past is nothing more than an anecdote in a text.

 

Text: Raphael Oberhuber
Translation: Gerrit Jackson

 

KOW Madrid

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